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Foto: Landvolk LBV

Ernte - Dank noch aktuell?

 

Sollen bzw. können wir Bäuerinnen und Bauern uns überhaupt noch freuen über den Erfolg unserer Arbeit, über die im Jahr 2019 eingebrachte Ernte? Unzählige Fragen bewegen uns Landwirte Tag für Tag und nicht nur zum Ende des landwirtschaftlichen Erntejahres.

Wie auch unser Landesbauernverbandspräsident Albert Schulte to Brinke in seiner Erntedankbotschaft mitteilt, haben wir große Sorgen vor der Zukunft, die unsere bäuerlichen Familien nach mehreren schwierigen Jahren umtreibt.

Wir haben alles gegeben: Den Boden bereitet, gesät und gepflegt und dennoch fiel die Ernte für viele von uns nur durchschnittlich aus. Dabei haben die Berufskollegen in Niedersachsen nördlich von uns aufgrund der trocken-heißen Sommerwitterung nach 2018 erneut mit mehr und erheblicheren Dürreschäden zu kämpfen gehabt als wir Bauern in Südniedersachsen. Aber die geringen Spielräume in der Vermarktung treffen uns alle. Wir sind eingebunden in globale Märkte, die spielen uns zurzeit nicht gerade in die Hand, die Preise sind eher enttäuschend. Da kann es schwerfallen, überhaupt dankbar zu sein.

Hinzu kommt die Zunahme der Kritik an der Landwirtschaft durch unsere Gesellschaft. Von der Saat bis zur Ernte oder von der Geburt eines Kalbes bis zum Joghurt oder Käse im Supermarktregal wird unsere Arbeit auf den Prüfstand gestellt. Einige unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger erklären uns, wie wir unsere Tiere zu halten haben, wie wir auf dem Acker mit weniger Chemie auskommen und das Klima schützen sollen. Angebote, mit den Landwirten zu reden, werden leider kaum angenommen.

Es bleibt nicht bei klugen Ratschlägen, sondern wir sehen uns mit einer großen Zahl sehr konkreter Forderungen konfrontiert, die auch von der Politik – in unseren Augen – ohne hinreichende Überprüfung der Fakten aufgegriffen und in neue Gesetzesinitiativen gegossen werden.

Die Folge sind politische Vorgaben – Stichwort Agrarpaket der Bundesregierung – die uns Landwirte zutiefst beunruhigen. Wir sollen strengere Vorschriften erfüllen, aber niemand, weder Verbraucher noch Politik, will dafür das Portemonnaie aufmachen. Wir müssen größere Risiken schultern, von denen uns niemand etwas abnehmen will. Wir hören gute Ratschläge wie „weniger Tiere, mehr Bio, Nischen besetzen“. Den unsicheren Weg in das betriebswirtschaftliche Wagnis sollen wir allein beschreiten.

Das empfinden unsere Landwirte und ihre Familien und Mitarbeiter zu Recht als Zumutung. Enttäuschung und Ohnmacht in den Gesprächen mit unseren Bäuerinnen und Bauern machen sich breit. Sie fühlen sich missverstanden, abgehängt, vorverurteilt. Die Gesellschaft darf nicht untätig zuschauen, wie sich ständig mehr Frust aufbaut! Lasst uns sprechen! Auch wir Bauern haben das Ohr am Kunden!

Lasst uns überlegen, wie wir gemeinsam zu den uns allen wichtigen Zielen kommen – beim Tierwohl, beim Insektenschutz, beim Klimawandel. Lasst uns gemeinsam den richtigen Weg finden!

Uns Bauern bleibt es ein wichtiges Anliegen, dem Schöpfer Danke zu sagen.

Wir laden alle Menschen ein, ebenfalls Danke zu sagen für einen reich gedeckten Tisch und gesunde, qualitativ hochwertige Nahrungsmittel. Wir laden alle Menschen ein, mit uns zu reden, - auf dem Land und in der Stadt.

 

Northeim, 04.10.2019

Markus Melzer - Vorsitzender

Gerhard Rudolph - Geschäftsführer