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Es ist eine gute Tradition, dass Bäuerinnen und Bauern einmal im Jahr innehalten und zum Erntedankfest Dank sagen, - für die Ernte der Früchte der Erde und im Stall, für die verrichtete Arbeit und den „Lohn“ dafür.

Die diesjährige Ernte stand – mal wieder – unter schwierigen Bedingungen. Das Thema Trockenheit

beschäftigt uns verstärkt bereits im dritten Jahr, dabei ist der Süden Niedersachsens noch mit einer Durchschnittsernte bei Getreide und Raps besser weggekommen als übrige Teile Niedersachsens und Deutschlands. Die Ernte bei Mais läuft zur Zeit und verspricht höhere Erträge als in den beiden Vorjahren, ebenso hoffen wir auf eine besser Zuckerrübenernte als im Vorjahr.

Neben dem Thema „Wetter und Regen“ stellte sich aber auch für die landwirtschaftlichen Betriebe die bange Frage, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die Landwirtschaft hat.

Einerseits können wir sagen, dass auch während der Pandemie eine lückenlose Versor-gung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln bestanden hat, die Landwirtschaft damit zu-recht als „systemrelevant“ gilt; andererseits sind die Schweine- und Rindfleischpreise in der Folge auf nicht befriedigende Werte gefallen, im Nachgang auch die Notierungen für Ferkel und Kälber. Die Milchpreise dümpeln vor sich hin. Leidvoll mussten zudem die Ferkelerzeuger und Schweinemäster jüngst einen weiteren Preisrutsch infolge der vor kurzem in Deutschland ausgebrochenen Afrikanischen Schweinepest erfahren.

Daneben bereiten die anhaltende Trockenheit, die Folgen von „Frederike“ und Klima-wandel, starker Borkenkäferbefall und zusammengebrochene Holzpreise unseren Waldbauern große Sorgen bis hin zu Existenzängsten.

Dabei sind die Ansprüche der Verbraucher, der Politik, ja der gesamten Gesellschaft an die Bäuerinnen und Bauern nicht geringer geworden: die Düngegesetzgebung (u.a. Rote Gebiete, drastische Auflagen), der Umbau der Tierhaltung, der Arten- und Insektenschutz, der Klimawandel u.v.m. Alles das hat maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Familienbetriebe und hinterlässt eine gedämpfte Stimmung.

Die moderne Landwirtschaft braucht den Fortschritt und die Weiterentwicklung; sie steht nicht für eine einseitige Ausrichtung auf mehr Ertrag, mehr Leistung und mehr Profit, sondern strebt nach einer nachhaltigen Wirtschaftsweise. Biodiversität z.B. ist für sie kein leeres Versprechen, sondern echte Verpflichtung. Die Anlage von Blühstreifen und Honigweiden, Saumbiotopen und Lerchenfenstern sind nur einige Beispiele für die zahllosen freiwilligen Angebote zur Verbesserung der Artenvielfalt, allesamt öffentliche Leis-tungen. Die Mitarbeit am „Niedersächsischen Weg“ ist bezeichnend dafür, zumal dieser gegenüber anderen Initiativen wie dem Volksbegehren Artenschutz auch (erstmals) einen angemessenen Ausgleich für die Arbeit der Landwirte verankert.

Hinzu kommt, dass gerade die Corona-Krise allen die Wichtigkeit der heimischen Landwirtschaft vor Augen geführt haben sollte. Daher fordern wir einen gesellschaftlichen und politischen Umdenkprozess.

Die Landwirtschaft in Deutschland braucht Zukunft, - und Bürgerinnen und Bürger, Verbraucherinnen und Verbraucher, die die Arbeit der Landwirte wertschätzen und zum Erntedankfest auch Danke sagen!