Die Landwirtschaft sieht sich gegenwärtig vor besondere Herausforderungen gestellt und arbeitet mit an der Suche nach Lösungen. Die Sensibilität für das Bedürfnis nach einem größeren Engagement bezüglich der Artenvielfalt ist bei den Menschen in der Bevölkerung und vielen Landwirten deutlich gestiegen.

In den letzten 40 Jahren sind der Landwirtschaft und der Natur täglich Flächen für den Bau von Siedlungen, Infrastruktur und Verkehr entzogen worden. Im Landkreis Northeim sind seit 1979 über 3.000 ha an landwirtschaftlicher Fläche für Infrastruktur- und Siedlungsfläche verlorengegangen.

Natürlich hat auch das Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Es ist eine große Herausforderung auf stetig sinkender landwirtschaftlicher Nutzfläche immer mehr Menschen zu ernähren und den Umweltschutz im Auge zu behalten.

Aus dieser Situation heraus ist der „Niedersächsische Weg“ entstanden.

Der „niedersächsische Weg“ ist eine Vereinbarung zum Erhalt der Artenvielfalt, die zwischen der Landesregierung, dem Landvolk Niedersachsen, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und den niedersächsischen Umweltverbänden geschlossen wurde.

Diese Allianz ist bundesweit einmalig.

Umso unverständlicher ist für das Landvolk Northeim-Osterode das aktuelle Verhalten des NABU und BUND Niedersachsen, denn trotz der Mitunterzeichnung des niedersächsischen Weges treiben beide Umweltverbände ihr Volksbegehren „Artenvielfalt. Jetzt“ weiter voran.

„Besonders der NABU als wichtiger Verhandlungspartner gefährdet seine Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der anderen Partner, wenn er parallel zum niedersächsischen Weg auch das Volksbegehren vorantreibt und bewirbt“ äußert sich der Vorsitzende des Landvolk Northeim-Osterode, Markus Melzer.

Momentan werden in verschiedenen Arbeitsgruppen zum niedersächsischen Weg die einzelnen Punkte der Vereinbarung ausgearbeitet, die in einer Gesetzesvorlage münden sollen. Und dort sitzen auch Vertreter von NABU und BUND in den einzelnen Arbeitsgruppen und können ihre Argumente einbringen.

„Mit der Unterschrift unter das Volksbegehren stimmen die Befürworter Gesetzesänderungen zu, die massiv auf privates Eigentum zugreifen“, führt Landwirt Jens Brandes aus. „Es ist verwerflich, das Volksbegehren aufrechtzuerhalten-der NABU fährt zweigleisig! Wir Landwirte sind gerne bereit ihre Aufgabe für den Natur- und Umweltschutz zu erfüllen und noch auszuweiten, denn wir haben als einzige die Möglichkeit die gesamtgesellschaftlich verursachten Auswirkungen für die Natur zu kompensieren. Ich selbst lege in meinem Betrieb bereits 80.000 m² Blühstreifen an.“

Im Landkreis Northeim wurden in 2019 insgesamt ca.  6.750.000 m² (=675 ha) Blühstreifen angelegt.

Wie Jens Brandes sehen auch viele Landwirte das Volksbegehren sehr kritisch.

„Der niedersächsische Weg führt alle Beteiligten in die richtige Richtung“ ist sich Markus Melzer sicher.

Nur das Gesetz, das die Vereinbarung bindend macht, muss jetzt noch auf den Weg gebracht werden.

Bisher ist es nur eine Absichtserklärung, an deren Umsetzung das Landvolk aktiv mitarbeiten will.

Für die Landwirte beinhalten die Pläne im niedersächsischen Weg unter anderem Einschränkungen an Naturräumen an Gewässern, die sie nur noch beschränkt nutzen können und weder Pflanzenschutzmittel noch Dünger verwenden dürfen. Deshalb ist eine Gesetzesgrundlage, die gleichzeitig einen Ausgleich für diese Einschränkungen gewährt, wichtig für die Landwirte. Denn sie brauchen Verlässlichkeit, damit sie die neuen Aufgaben nicht in den Ruin treiben- für viele Betriebe sieht es ohnehin nicht rosig aus, weiß der Landvolkvorsitzende. Deshalb freut er sich über die Zusage des finanziellen Ausgleichs. Dabei geht es um erhebliche Finanzmittel, die seitens der Politik über viele Jahre zur Verfügung zu stellen sein werden.

Wichtig sei vor allem, dass der finanzielle Ausgleich im Landeshaushalt fest verankert ist, damit es eine Planungssicherheit für alle Beteiligten gebe.

Auch die Gesellschaft sei gefordert, diesen Weg mitzugehen, letztlich sind es jedoch die Landwirte die am meisten liefern und Zugeständnisse machen müssen, ist sich der Landvolkvorsitzende sicher.

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.niedersaechsischer-weg.de.